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4100 m
BEYOND GLIDES
Break the Chain
Unser Sicherheits-Tool

Paragliding Decision Cards

Kurze, klare Stichworte, die deinen Blick gezielt auf Warnsignale lenken, von der Flugplanung zuhause bis zum Debriefing nach der Landung. Jedes Stichwort wird zum mentalen Anker.

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Zuhause
Erholt & stressfrei? Störende Termine?
No-Go-Kriterien? Plan B bei No-Go?
Thermikprognose hinterfragt?
Startplatz, Wetter & DABS passend?
Passendes Material? Akkus geladen?
Minimalziele ohne Druck gesetzt?
Startplatz
Wetterprognose vs. Ist-Zustand?
Wind (Lee?) & Startplatz sicher?
Abbruchlinie & Landeplatz bekannt?
5-Punkte-Check stressfrei erledigt?
Warum fliege ich? Gruppendruck?
Bauchgefühl? Go oder No-Go?
Im Flug
Energiereserven? Verpflegung?
Komfort-Ampel? Spassfaktor?
Wind + Reserven bei Zunahme?
Wetterveränderungen?
Landeplatz erreichbar?
Plan A, B & C?

Grundidee: Break the Chain

Unfälle entstehen selten durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch eine Kette kleiner, unscheinbarer Faktoren. Wer ein erstes Warnsignal erkennt und es gleich behebt, stoppt die Kette, bevor sie gefährlich wird. Das Konzept stammt nicht von uns, ausführlich erklärt wird es von Bernie Hertz im Wanderbird-Podcast ↗.

Beispiel einer Ereigniskette
Zu wenig Wasser dabei //Hier durchbrechen Dehydration → Konzentration sinkt → Verzögerte Reaktion → Unfall

Die Lösung liegt nicht am Ende der Kette, sondern am Anfang: Wasserflasche auffüllen, bevor gestartet wird. Genau beim Erkennen dieser Warnsignale setzen die Decision Cards an.

Die vier Karten

Für jede Phase des Flugtages eine Karte, 24 Stichworte insgesamt. Karte anklicken, dann erscheinen die Fragen und Beispiele dahinter. Die Fragen helfen dir, ein Warnsignal früh zu erkennen und die Kette zu durchbrechen.

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01

Zuhause

Flugplanung, bevor du überhaupt losfährst.

01

Erholt & stressfrei? Störende Termine?

–Bin ich körperlich und mental fit, ausgeruht und frei von belastendem Stress?
–Kann ich heute fliegen, ohne dass ein Anschlusstermin mich unter Zeitdruck setzt?

Nach schlechtem Schlaf bewusst gegen die 3-Stunden-Anreise ins Wallis entschieden und lokal geflogen. Der kurze Reiseweg war entspannter, der Tag trotzdem ein Genuss.

02

No-Go-Kriterien? Plan B bei No-Go?

–Was sind meine persönlichen No-Go-Kriterien (Müdigkeit, Windlimits, Stress)?
–Welche attraktive Alternative habe ich, falls ich mich gegen den Flug entscheide?

Feste Limits setzen («über 20 km/h Wind am Startplatz fliege ich nicht») und direkt eine Alternative einplanen, etwa Wanderung oder Groundhandling, damit der «Nicht-Flug» weniger enttäuscht.

03

Thermikprognose hinterfragt?

–Habe ich das Wetter gründlich analysiert oder vertraue ich blind auf eine einzige App-Prognose?

Ein Top-Tag auf der Burnair-Map bedeutet nicht automatisch Sicherheit: Lokale Phänomene wie seichter Föhn stehen in keinem Modell. Locals fragen und bedenken, dass ideale Streckenflug-Bedingungen für frisch Brevetierte bereits zu stark sein können.

Werkzeug: burnair ↗

04

Startplatz, Wetter & DABS passend?

–Passen Wetter und Fluggebiet zu meinem Können und meiner aktuellen Verfassung?
–Habe ich Lufträume und DABS / NOTAM geprüft?

Nach einem anstrengenden Hike sehr erschöpft am Startplatz angekommen. Konsequent gegen den schwierigen Start entschieden, ein Stück abgestiegen und weiter unten an einfacherer Stelle gestartet.

Werkzeug: skybriefing ↗

05

Passendes Material? Akkus geladen?

–Fühle ich mich unter meinem Schirm wirklich wohl (90/9/1-Regel von Chrigel Maurer: 90 % langweilt mich der Schirm, 9 % bin ich gefordert, 1 % überfordert)?
–Sind alle Akkus geladen, Schirm-Check und Notschirm-Packintervall aktuell?
–Passt die Kleidung zum Flugtag?

Unsere weitesten Streckenflüge sind wir beide mit Mid-B-Schirmen geflogen, trotz Erfahrung auf C-Schirmen — das kleine Plus an Leistung ist bedeutungslos gegen echtes Wohlbefinden.

Quelle: SHV, Swissglider ↗

06

Minimalziele ohne Druck gesetzt?

–Welche bewusst tiefen Ziele sind für sich allein schon ein Erfolg (sauberer Start, sichere Landung, 30 Minuten Air-Time)?
–Setze ich mich mit einem zu hohen Ziel selbst unter Druck?

Die 100-km-Marke fiel ausgerechnet an einem Tag, an dem es nur darum ging, möglichst lange in der kühlen Luft zu bleiben. Ohne Kilometer-Fokus, völlig stressfrei.

/ Flugausrüstung
–Gleitschirm, Notschirm und Helm
–Notfallset mit Linecutter
/ Bekleidung
–Warme Kleidung im Zwiebelprinzip
–Halstuch/Buff, Stirnband, knöchelhohe Schuhe
–Handschuhe (im Winter dünn + dick)
–Sonnencreme, Gesichtsschutz, Sonnen- oder Skibrille
–Ersatz-T-Shirt und Wanderstöcke bei Wanderungen
/ Elektronik & Kommunikation
–Vario, Handy
–Powerbank (mind. 10 000 mAh)
–Flugfunk / Zello
–Satellitennotruf (inReach Mini o. ä.)
–Kamera (optional)
/ Verpflegung
–Mind. 1 l Wasser mit Elektrolyten
–Trinkschlauch
–Snacks fürs Cockpit (Riegel, Sandwich, Gel)
–Urinal
/ Dokumente & Vorbereitung
–ID, Brevet und etwas Bargeld
–Toilettengang vor der Anreise

Kalte Finger und feuchte Schichten kosten Konzentration, und die brauchst du für gute Entscheidungen. Im Video zeigen wir, womit wir beim Hiken und Fliegen unterwegs sind und wie wir uns auf wechselnde Bedingungen einstellen.

02

Am Startplatz

Überprüfen der Bedingungen, bevor du den Schirm auslegst.

01

Wetterprognose vs. Ist-Zustand?

–Entsprechen Wind und Wolkenbildung vor Ort den Prognosen, innerhalb meiner Limits?
–Sind andere Piloten in der Luft, und was sagt mir das wirklich?

Nur weil der «Local Hero» startet, sind die Verhältnisse für dein Können und Material noch lange nicht sicher. Es braucht oft mehr Mut, als Einziger am Boden zu bleiben.

02

Wind (Lee?) & Startplatz sicher?

–Ist die Anströmung laminar oder gibt es Anzeichen für ein Lee?
–Welche Gefahren (Schnee, Steine, Bäume, Zäune) gibt es in der Startphase?

Am Schonegg in Engelberg täuscht bei West- oder Nordwind ein kurzer Südaufwind direkt am Startplatz: ein gefährliches Lee. 30 Meter weiter bläst der echte Westwind mit 20 km/h ins Gesicht.

03

Abbruchlinie & Landeplatz bekannt?

–Ab wann breche ich den Startlauf spätestens ab?
–Habe ich Landeplatz und Notlandeoptionen fest im Blick?

Einen Punkt auf der Startwiese markieren (z. B. ein markanter Stein): Steht der Schirm bis dort nicht stabil, wird konsequent abgebrochen.

04

5-Punkte-Check stressfrei erledigt?

–Habe ich den 5-Punkte-Check konzentriert durchgeführt?
–Lasse ich mich von anderen Piloten oder Zuschauern stressen?
–Genug Verpflegung dabei?

Als alle gleichzeitig starteten, ging es plötzlich hektisch. Nach dem Start war ein Tragegurt um 180° verdreht. Nicht kritisch, aber der Flug war kein Genuss mehr.

Quelle: Flugschule Appenzell ↗

05

Warum fliege ich? Gruppendruck?

–Fliege ich, weil es mir Freude macht, oder damit andere es sehen?
–Würde ich denselben Flug wählen, wenn ihn niemand sehen würde?
–Spüre ich Gruppendruck?

Jeder Pilot bringt anderes Können und Material mit. Individuelle Ziele setzen und sich nicht von anderen verleiten lassen.

06

Bauchgefühl? Go oder No-Go?

–Flaues Gefühl im Magen oder voll fokussiert?
–Kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass mein Start problemlos funktioniert?
–Wäre die Bahn ins Tal heute die klügere Wahl?

Das Bauchgefühl ist die Summe kleiner unbewusster Wahrnehmungen. Wenn es «Nein» sagt: Bahn nehmen. Diese Entscheidung ist immer richtig.

03

Im Flug

Entscheidungen im Flug. Laufend statt einmalig.

01

Energiereserven? Verpflegung?

–Wie steht es um meine körperliche und geistige Ausdauer? Landen, bevor die Konzentration nachlässt?
–Habe ich genug getrunken und gegessen?

Dehydrierung führt zu Kopfschmerzen und langsameren Reaktionen. Wer unkonzentriert wird oder friert, leitet die Landung ein.

02

Komfort-Ampel? Spassfaktor?

–Grün = entspannt, Orange = gefordert, Rot = Angst. Wo stehe ich?
–Bin ich noch aktiv steuernder Pilot oder nur noch Passagier?
–Habe ich noch Spass?

Im Wallis mit neuem High-B gestartet, die Bedingungen so stark, dass nur noch Reagieren möglich war. Konsequent im Tal gelandet, obwohl viele andere noch flogen.

03

Wind + Reserven bei Zunahme?

–Wie stark ist der Talwind? Komme ich noch sicher gegen den Wind voran?
–Habe ich Reserven (Speedbar), falls der Wind um 20 % zunimmt?

Live-Windwerte in Burnair Go oder XCTrack beobachten; auch Rauchfahnen, Fahnen und Wellen auf Seen sind gute Indikatoren. Wird das Vorankommen langsamer: rasch Richtung Landeplatz.

Werkzeug: burnair ↗

04

Wetterveränderungen?

–Anzeichen für Überentwicklung (Cumulonimbus, Amboss)?
–Zieht Nebel oder eine Front ins Tal?

Im Winter vom Titlis gestartet. Bei der Bergfahrt noch schönstes Wetter, nach dem Start lag das ganze Tal im Nebel. Improvisation unter grossem Stress.

05

Landeplatz erreichbar?

–Habe ich jederzeit eine sichere Landewiese in Gleitdistanz?
–Verlasse ich mich auf das «Prinzip Hoffnung», dass schon noch eine Thermik kommt?

In einer grossflächigen Abwindzone stehst du innert Minuten am Boden. Früh nach Landemöglichkeiten Ausschau halten: Plan A, B und C im Kopf.

06

Plan A, B & C?

–Habe ich für jedes mögliche Szenario einen passenden Plan?

Plan A: See queren und drüben Thermik suchen. Plan B: zum offiziellen Landeplatz gleiten. Plan C: bei starkem Sinken früh umdrehen und am Ufer landen. Plan D: Wasserlandung nahe eines fahrenden Boots vorbereiten.

04

Debriefing

Reflexion des Flugtages. Daraus lernst du am meisten.

01

Hatte ich Spass? Ziele erreicht?

–Habe ich den Flug genossen oder war ich überwiegend gestresst?
–Habe ich mein Minimalziel erreicht?

Auch ein kurzer Flug kann ein grosser Erfolg sein, etwa ein neues Fluggebiet kennenlernen, sauber starten und sicher landen.

02

Was habe ich heute gut gemacht?

–Welche Entscheidungen waren heute besonders gut?
–Worauf bin ich stolz?
03

Was war nicht so gut?

–Welche Situationen waren unangenehm, und was mache ich das nächste Mal anders?
04

Was habe ich heute gelernt?

–Welche Erkenntnisse über mein Verhalten, das Wetter, das Fluggebiet oder mein Material nehme ich mit?
05

Bauchgefühl / Warnsignal ignoriert?

–Gab es Momente mit ungutem Gefühl, die ich weggeschoben habe?

«Eigentlich fand ich den Wind am Start schon grenzwertig, bin aber trotzdem gestartet.» Analysieren, warum das Signal ignoriert wurde, etwa wegen Gruppendruck.

06

Neue Ziele fürs nächste Mal?

–Was möchte ich beim nächsten Flug oder der nächsten Vorbereitung gezielt üben oder verbessern?

Die Karten fürs Cockpit

Bewusst kurz gehalten, schnell erfassbar, jederzeit griffbereit. Vertiefung zum Konzept: Wanderbird-Podcast ↗

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